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Aufarbeitungskommission veröffentlicht Bilanzbericht

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In dieser Woche wurde der Bilanzbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs über die erste Laufzeit vorgestellt. Im Mai 2016 hatte die Kommission mit ihrer Arbeit begonnen. Die Kommission untersucht Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland, z.B. im Kontext von Familien, Institutionen und sozialem Kontext. Die Anhörungen von Betroffenen soll ihnen dabei helfen, das Erlebte zu verarbeiten oder auch verjährtes Unrecht mit  der Öffentlichkeit zu teilen.

Ihre Geschichte ist wichtig!

In den kommenden Jahren wird die Kommission verstärkt den Kindesmissbrauch im Sport, bei Kindern mit Behinderungen und im Umfeld von Pädosexuellen Bewegungen beleuchten.

Der Bilanzbericht in Zahlen:

  • Erfassungen von fast 1.700 Fällen
  • knapp 850 der Anmeldungen wurden angehört
  • 83% weiblich / 16% männlich

Wo haben die Betroffenen Missbrauch erlebt?

  • die Mehrheit (56%) hat Missbrauch in der Familie erlebt
  • 17% hat über Missbrauch in Institutionen gesprochen
  • 12% Missbrauch im sozialen Umfeld
  • 10% in organisierten Strukturen
  • 5% Fremdtäter

Wie alt waren die Betroffenen bei Beginn des Missbrauchs?

Die Mehrheit der angehörten Personen hat Missbrauch im Alter zwischen 0-9 Jahren erlebt:

  • Unter 3 Jahren: 22%
  • 4-6 Jahren: 26%
  • 7-9 Jahren: 15%

Hier können Sie den gesamten Bericht nachlesen: https://www.aufarbeitungskommission.de/bilanzbericht_2019/

Zuletzt teilen wir Stimmen von denen, um die es in dem Bilanzbericht geht:

„Nachts lausche ich in den Flur hinein, warte ängstlich auf das Schlüsselgestochere im Schloss, wenn mein Vater

vom Kneipenzug heimkehrt. Das Kinderzimmer findet er doch immer wieder, trotz seiner Trunkenheit erinnert er

sich immer an seine beiden Kinder. Seine kleine Tochter mag er besonders gern, weil sie so lieb und fröhlich ist.

Er sehnt sich danach und möchte ihr Gute-Nacht sagen.“ (Betroffene über Missbrauchserfahrungen durch den Vater)

„Mit 14 gehst Du zum ersten Mal zum Jugendamt, Du willst nicht mehr zu Hause

wohnen. Aber der zuständige Sachbearbeiter nimmt Dich nicht ernst. Wenn Du wirklich ausziehen willst, dann komm

mal mit Deinen Eltern wieder her, meint er und schickt Dich zurück in die Hölle.“

„Viele Wochen sind vergangen, in denen ich mit dem Entschluss, diesen Bericht zu schreiben, gehadert habe. Letztendlich erscheint es mir nun aber

richtig, diese Zeilen zu formulieren. In erster Linie in der Hoffnung und mit dem Wunsch, sexuellen Missbrauch verhindern zu helfen. Daneben tut es

vermutlich auch mir gut, mich auf diesem Weg mitteilen zu können und somit ein Stück weit die Scham und die Isolation zu reduzieren.“

 

Sie haben sexuellen Missbrauch erlebt und möchten Ihre Geschichte erzählen?

Mehr dazu hier: https://www.aufarbeitungskommission.de/aufarbeitung/