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Das Team von Power-Child e.V. bedankt sich bei all seinen Mitgliedern und Spendern  für die wunderbare Unterstützung inbesonderes während der letzten Wochen. 

Die Förderung unserer Projekte zu Gunsten der Stärkung der Kinder und Jugendlichen, die uns allen so am Herzen liegen, bedeutet nicht nur die Mittel für unsere Arbeit, sie gibt uns auch Kraft und Zuversicht, dass wir mit unserer Aufgabe fortfahren können.

Kein Kind kann sich alleine schützen ein Interview Dr. med. Johannes Zwick

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Das neue Buzz-Wort dieser Tage ist „physical distancing“ – eine nicht unbedingt schöne, aber doch wichtige Maßnahme, um in unserer jetzigen Situation die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Überlebenswichtig auf der einen Seite, aber gleichzeitig stellt das sich Isolieren und die Einschränkung der zwischenmenschlichen Kontakte ein zusätzliches Gefährdungspotential für Kinder, die Gewaltsituationen ausgesetzt sind, dar.

Kein Kind kann sich alleine schützen!

An wen können sie sich noch wenden? Mit wem können sie sprechen? Wo sich Hilfe holen? Sie sind abgeschnitten von ihren Bezugspersonen wie Lehrer, Mitschüler oder Freunden und alleine mit ihren Ängsten, oft sogar den Tätern ausgeliefert.

Um so wichtiger ist es, dass Lehrkräfte online nicht nur nach den Hausaufgaben fragen, sondern auch danach wie es zu Hause geht. Kinderschutzorganisationen haben ihre Telefonzeiten erweitern, damit sich Kinder und Jugendliche, aber auch Menschen, die gerne helfen wollen und nicht wissen wie, sich Unterstützung ho-len können. Dazu braucht es jedoch Ressourcen. Viele der gemeinnützigen Organisationen sind auf Spenden angewiesen. Ein schwieriges Unterfangen in diesen unsicheren Zeiten.

 

Interview Dr. med. Johannes Zwick
Aufsichtsratsvorsitzender & Ärztlicher Direktor der Johannesbad Gruppe
Vorstand und Vereinsvorsitzender bei Power-Child e.V.

Herr Dr. Zwick, Sie sind Vorsitzender des Vorstands der gemeinnützigen Organisation Power-Child e. V. Können Sie bitte für unsere Leserinnen und Leser den Zweck und die Aufgaben von Power-Child vorstellen?                                                                                                                   Power-Child e.V. hat sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Missbrauch und Gewalt verschrieben. Leider leben unsere Kinder und Jugendlichen in einer Welt, in der Missbrauch und Gewalt allgegenwärtig ist. Allerdings fällt es vielen schwer, den Mut zu fassen über ihre Ängste und Erfahrungen zu sprechen. Genau hier setzt Power-Child an. In den letzten 18 Jahren haben wir ein bundesweit tragfähiges und effektives Präventionsnetzwerk gegen Missbrauch und Gewalt an Kindern und Jugendlichen aufgebaut. Einerseits klärt Power-Child mit vielfältigen Präventionsprojekten über das Thema „Missbrauch und Gewalt“ auf, sensibilisiert Kinder und Jugendliche für ihre eigenen Grenzen und bestärkt sie darin, diese auch zu setzen. Anderseits bietet unsere psychosoziale Beratungsstelle Betroffene, Eltern, Erzieherinnen oder Lehrkräfte sowohl bei Verdachtsfällen als auch bei stattgefundenem Missbrauch und Gewalt Hilfe und Unterstützung an.

Warum trifft die Corona-Krise Kinder in schwierigen häuslichen Situationen besonders hart?                                                                                                                                                                                                                                                                                           Weil Kinder aus problematischen häuslichen Verhältnissen die Freiräume, die sie sonst haben, nicht mehr vorfinden. Sie müssen die ganze Zeit daheimbleiben, wo sie eventuell unter körperlicher oder seelischer Gewalt leiden, wenig Rücksicht erfahren und kaum Bestätigung. Elternteile, die zu häuslicher Gewalt neigen, stehen durch die Beschränkungen unter zusätzlichem Stress. Auch das kann dazu führen, dass Situationen schneller eskalieren. Nischen wie die Nachmittagsbetreuung, der Sportverein oder Musikgruppen, in denen Kinder Zuwendung und Stabilität erfahren können, fallen durch die Ausgangsbeschränkung weg. Es gibt keine Auszeiten mehr von zu Hause. Zudem erfüllen diese Einrichtungen eine Art Kontrollfunktion. Oft sind es Lehrer und Betreuer, die Spuren von Gewalt entdecken und dem nachgehen. Auch das ist jetzt nicht mehr möglich.

Was können diese Kinder trotz der Krise jetzt tun?                                                                                                                                                                                    Es gibt Stellen, bei denen die Kinder anrufen können. Die Nummer gegen Kummer, Tel. 116 111 richtet sich speziell an Kinder und Jugendliche. Eltern und besorgte Erwachsene können sich an das Hilfetelefon 0800-22 55 530 wenden. Unser Verein Power-Child e.V. bietet ebenfalls eine Hotline an, die montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr besetzt ist, sowie samstags von 12 bis 16 Uhr und sonntags von 16 bis 19 Uhr. Die Nummer lautet 089/38 666 888 oder online mailhelp@power-child.de. Bei diesen Hilfsorganisationen sollten sich unbedingt auch Erwachsene melden, wenn sie das Gefühl haben, dass in ihrer Nachbarschaft etwas nicht gut läuft. Kein Kind kann sich alleine schützen.

Was machen die Mitarbeiter dieser Hotlines konkret?
Zurzeit wird gerade sehr viel Krisenintervention geleistet, da die psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken nur mehr bedingt Patienten aufnehmen. Am Telefon, via FaceTime und online erfahren die Anrufer auf diese Weise Unterstützung und Hilfe. Dort melden sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der jetzigen Situation gleichermaßen. Für Kinder und Jugendliche ist es wichtig zu erfahren: Sie sind nicht allein.

Können die Kinder darauf zählen, dass ihre Schutz- und Freiräume nach Ende der Ausgangsbeschränkung noch da sind?
Leider nicht immer. Denn allen Einrichtungen, Vereinen und auch den Hilfsorganisationen geht das Geld aus. Die Firmen, die üblicherweise mit Spenden halfen, sind durch die aktuelle Krise auch betroffen – logischerweise gibt es dadurch weniger Spenden. Momentan bricht alles weg, weil auch bereits zugesagte Spenden zurückgezogen werden. Auch das Vereinsleben leidet unter dem Ausbleiben dieser Spenden. Die Lage ist wirklich ernst.

Was kann der Einzelne tun?
Er könnte Geld spenden. Es ist nicht einfach in dieser Zeit, ich weiß. Aber Kinder und Jugendliche in Not brauchen unsere Hilfe. Sie zählen auf uns. Wir dürfen sie nicht allein lassen.

Spendenkontonummer:
HypoVereinsbank München
DE 20 7002 0270 0665 9191 37 * BIC: HYVEDEMMXXX

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