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Interview mit Dr. med. Johannes Zwick zum Tätigkeitsbericht 2019

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Vor dem Hintergrund sich häufender tragischer Gewaltsituationen, an denen Jugendliche beteiligt sind, gewinnt schulische Gewaltprävention zunehmend an Bedeutung. Der Verein Power-Child e.V. setzt sich bereits seit 18 Jahren für den verbesserten Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalttaten als auch für eine nachhaltige Prävention ein. Ein wesentlicher Bestandteil liegt darin, die Schülerinnen und Schüler durch eine Stärkung der Selbst- und Sozialkompetenzen stark zu machen gegen aktiv angewandte und passiv erlebte Gewalt und Missbrauch.

Power-Child e.V. – Darum ist Prävention so wichtig ist. Es geht um die Gegenwart und die Zukunft unserer Kinder und unserer Gesellschaft.

Die Kurzeitung im Gespräch mit Dr. med. Johannes Zwick Vereinsvorsitzender von Power-Child e.V., dem Verein, der sich gegen Missbrauch und Gewalt an Kindern und Jugendlichen einsetzt. Soeben hat Power-Child e.V. seinen Jahresbericht 2019 veröffentlicht.

Power-Child e.V. hat 2019 vor allem auf die Prävention gesetzt, um den Missbrauch von Jugendlichen zu verhindern. Wie sinnvoll ist das, wenn die Täter meistens aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld stammen?
Im unmittelbaren sozialen Umfeld sind nicht nur Eltern und Verwandte, sondern auch Erzieher, Lehrer und Sportbetreuer sowie andere Jugendliche. Wenn all diese Menschen kompetente und handlungssichere Ansprechpartner für Jugendliche in schwierigen Situationen sind, ist schon viel gewonnen.

Ein Verdacht auf Missbrauch ist ein schwerwiegender Vorwurf. Wie kann ein Außenstehender damit umgehen?
Indem er sich Informationen besorgt. Er muss wissen, wie Missbrauch und Gewalt gegen Mädchen und Jungen entsteht, und was sie bedeuten. Das heißt: Wer sich als potenzieller Ansprechpartner und als Vertrauensperson für Jugendliche zur Verfügung stellen möchte, der muss Wissen über Täterstrategien haben, wie planvoll Täter vorgehen und was dies bei den Jugendlichen auslöst. Damit sie, wenn sich ihnen ein junger Mensch anvertraut, diesen Schritt würdigen und verstehen und sicher und angemessen reagieren können. Erwachsene sollten sich für die Sichtweisen von Jugendlichen, ihre Lebensrealitäten und Bedürfnisse interessieren.

Wie kann man Kinder und Jugendliche sensibilisieren?
Indem man ihnen hilft, zur ganzen Bandbreite ihrer Empfindungen zu stehen. Jungs meinen ab einem bestimmten Altern, männlich sein zu müssen, Mädchen glauben, feminin wirken zu müssen, aber nicht zu sexy. Für die Bezugspersonen heißt das, die jungen Menschen zu ermuntern, diese scheinbaren Tabus zu überwinden.

Welche Programme bietet Power-Child e.V. an?
Wir haben zum Beispiel die Fortbildung „E.R.N.S.T. machen“, die sich an Menschen richtet, die beruflich mit Jugendlichen zu tun haben. Zwölf Fortbildungen für 170 Teilnehmer haben wir im vergangenen Jahr organisiert. Zudem bieten wir regelmäßig Fortbildungen für Ehrenamtliche zum Thema „Schutz vor Kindeswohlgefährdung“ an. Und natürlich wenden wir uns an Kinder und Jugendliche selbst. Im Jahr 2019 gab es zwei Präventionsausstellungen, die wir an zwei weiterführende Münchner Schulen holten und pädagogisch begleiteten. Die Ausstellung „Echt fair!“ wandte sich an Schüler der fünften Klassen und bot an sechs Stationen einen spielerischen und interaktiven Umgang mit dem Thema Gewalt. Die Schau „Echt krass!“ richtete sich an Jugendliche ab der siebten Klasse. Hier war auch ein handlungsorientierter Ansatz eingearbeitet, so dass Mädchen und Jungen sexuelle Grenzverletzungen wahrnehmen und sich rechtzeitig zur Wehr setzen können. In vielen Kindergärten und Kindertagesstätten waren wir mit unserem Theater-Präventionsprojekt „Ich bin stark. Du bist stark. Drachenstarke Mutgeschichten.“ Damit haben wir 17.250 Kinder, Eltern und Fachkräfte erreicht. Mit unserem Theater-Präventionsprojekt „Nein heißt Nein“ für Grundschulen kamen 16.780 Kinder und Erwachsene in Berührung. 250.000 Menschen informierten sich an unserem Stand auf Festivals. Unsere 13 Power-Tower in den Wartebereichen von Kliniken in vielen Großstädten erreichten 200.000 Kinder und ihre Bezugspersonen. Auch in der Power-Child-Beratungsstelle konnten wir 3435 Menschen Hilfestellung anbieten.

Wie reagiert eine Bezugsperson am besten auf das Thema Gewalt?
Sie sollte erst einmal zuhören, was oft schwierig genug ist, und ins Gespräch kommen. Eine Kollegin sagte zu einem Jungen, der ihr von Gewalt in seinem Wohnviertel erzählt hat: „So viel Gewalt macht ganz schön viel Angst und Wut und manchmal fühlt es sich bestimmt so an, als könne man gar nichts dagegen tun.“ Die Wirkung war frappierend. Der Junge fühlte sich verstanden und angenommen.

Vertrauen ist also das Wichtigste?
Ja. Jugendliche fordern in Gesprächen mit Erwachsenen die Bewertung von Situationen ein. Die nehmen sie nur an, wenn sie den Erwachsenen vertrauen können. Wenn die Erwachsenen dranbleiben, nachfragen, aber Grenzen dabei nicht überschreiten. Jugendliche wollen einerseits selbstständig sein, andererseits verlangen sie nach dem Schutz durch Erwachsene. Hier ist es wichtig, dass sie wissen, welche Hilfsangebote es gibt.

Und wie redet man in einer Gruppe über sexuelle Gewalt?
Information ist auch hier alles. Wenn man den Jugendlichen die Struktur von Gewalt erklärt, dass die Täter die Betroffenen manipulieren wie schwer es ist, über das Erlebte zu sprechen, sehen sie Situationen oft aus einem anderen Blickwinkel. Etwa, wenn ein Mädchen seinem Freund ein Nacktfoto geschickt hat und er es weiterschickt, nachdem Schluss ist. Wenn sie nachvollziehen können, bei wem und wo der Vertrauensbruch liegt, bekommen sie Orientierung vermittelt. Viele Jugendliche wollen auch Informationen zu rechtlichen Grundlagen.

Oft ist verbale Gewalt in Jugendgruppen allgegenwärtig. Schimpfwörter wie Schwuchtel, Schlampe, Opfer scheinen bei Jugendlichen zur Gesprächskultur zu gehören. Wie kann man dem begegnen?
Mit einer offenen, gewaltfreien Gesprächskultur. Erwachsene sollten eine klare Haltung gegen Gewalt einnehmen und in jeder Situation vertreten. So können sie Jugendliche darin unterstützen, eine eigene Haltung zu gewinnen. Oft geht es nicht darum, gleich eine Lösung zu finden. Oft ist es einfach nur wichtig, dass man gemeinsam versucht, das Problem zu verstehen.

Wie kann Power-Child e.V. seine Arbeit finanzieren?
Vor allem aus Spenden. Unser Etat 2019 betrug 363.000 Euro. Knapp 94 Prozent davon waren Spenden und Fördermittel. Nur sechs Prozent stammen aus den Mitgliedsbeiträgen.

Was wünschen Sie sich fürdie Zukunft?
Ich wünschte mir, dass offener über das Thema „Missbrauch und Gewalt“ gesprochen wird – nicht nur von den Beauftragten und Fachkräften, sondern auch im Alltag, dort, wo das Unfassbare täglich geschieht und Kinder hilflos allein gelassen werden. Zudem haben wir viele gute Ideen, wie wir Kindern und Jugendlichen noch besser helfen und sie schützen können. Hierzu könnten wir viele Mitstreiter gebrauchen, sei es mit fachlicher Expertise, als Multiplikatoren, mit „Manpower“ oder einfach finanzieller Art. Jede Art der Unterstützung würde zu fast 100 Prozent Kindern und Jugendliche zugutekommen. Es geht um die Gegenwart und die Zukunft unserer Kinder und unserer Gesellschaft.

Spendenkontonummer:
HypoVereinsbank München
DE 20 7002 0270 0665 9191 37* BIC: HYVEDEMMXXX

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