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Aufarbeitungskommission veröffentlicht Studie zu sexuellem Kindesmissbrauch in der Familie

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Nur selten sind Täter*innen von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen Fremde

Bis heute warnen wir Kinder davor, nicht mit Fremden mitzugehen und ihnen nicht zu trauen. Dabei finden übe drei Viertel der sexualisierten Übergriffe im Familien- und Bekanntenkreis von Kindern und Jugendlichen statt (PKS 2020).

Zum Thema des sexuellen Kindesmissbrauchs innerhalb der Familie, hat die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs (UKASK) nun eine Studie veröffentlicht, bei der 816 Betroffene und 54 Angehörige bzw. Zeugen*innen zu Wort kamen. Die Studie ist ein wichtiger Schritt dabei, diesen – häufig als Einzelfall angesehenen – Missbrauchskontext zu enttabuisieren. Wir möchten Ihnen die Studie in jedem Fall ans Herz legen, da diese über die reinen Ergebnisse hinaus einen umfassenden und sehr wertvollen Überblick zum Tatkontext Familie gibt.

Täter*innen und Betroffene:

Insgesamt wurden 1153 Täte*innen benannt, woraus sich schließen lässt, dass die Kinder und Jugendlichen häufig von mehreren Personen innerhalb des Familienkontext missbraucht wurden. Mit zunehmendem Alter kam zudem noch Missbrauch in institutionellen und anderen Kontexten außerhalb der Familie hinzu. Teilweise wussten verschiedene Täter*innen voneinander, sprachen sich ab oder planten und organisierten die sexualisierte Gewalt zusammen. Alle Altersgruppen waren betroffen, bei fast der Hälfte der Befragten begann der Missbrauch bereits vor dem sechsten Lebensjahr. Ein Ende fand diese Gewalt meist erst in der späten Kindheit oder im Jugendalter, häufig ohne erkennbaren Grund und nur selten durch Interventionen Dritter.

Am häufigsten fand der Missbrauch durch die leiblichen Eltern statt (44 % aller identifizierten Täter*innen), oder durch Stiefeltern (12 %), (Groß-/Stief)Onkel/Tante (12 %), Geschwistern (11 %) und Großeltern (11 %). Zu 87 % waren die Täter (über alle Gruppen hinweg) männlich und Väter am häufigsten die Täter. Unter allen Täterinnen bilden Mütter und Großmütter die größten Gruppen ab.

Besonderheiten des Tatkontextes Familie:

Ein zentrales Merkmal von Familie als Tatkontext ist die Möglichkeit der Täter oder Täterinnen sowie anderer Beteiligter, sich nach außen abzuschotten, den Anschein von Normalität aufrechtzuerhalten und so einem betroffenen Kind alle Auswege aus der Gewalt zu versperren. Kinder sind nicht nur hochgradig Abhängig von der Familie, sondern werden auch durch geschickte Manipulation seitens der Täter in der Missbrauchssituation festgehalten. Laut Studie haben sich Kinder und Jugendliche häufig Familienangehörigen anvertraut, vor allem Müttern. Diese glaubten oder halfen ihnen oft nicht und duldeten den Missbrauch. Menschen im Umfeld von Familien scheuen sich allzu oft davor zu intervenieren und denken, es gehe sie nichts an, was hinter der Haustür einer Familie vor sich geht. Auch bei Fachkräften des Jugendamtes, so berichten Betroffene der Kommission, war diese Scheu vorhanden.

Die Rolle der Gesellschaft: 

Häufig werden wir gefragt, wie man Missbrauch an Kindern und Jugendlichen erkennen kann. Die Studie zeigt (ebenso wie vergangene Erhebungen und unsere Arbeitserfahrungen): Kinder und Jugendliche versuchen, Signale zu senden und sich jemandem anzuvertrauen. Wir können also vor allem genau zuhören und die Kinder und Jugendlichen vor allem ernst nehmen. Das Fazit der Studie: die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder in der Familie bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Jede*r von uns kann einen Beitrag dazu leisten, dass dieses Thema kein Tabuthema bleibt. Und jede*r von uns kann einen Beitrag dazu leisten, dass (sexualisierte) Gewalt an Kindern und Jugendlichen entdeckt wird oder verhindert wird. Betroffene Kinder und Jugendliche sind hier auf ein aufmerksames und handelndes Umfeld angewiesen. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass das hohe Gut der Privatsphäre nicht dazu führt, dass sie selbst schutzlos sind. Gehen Sie mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl.

Rufen Sie uns jederzeit an, wenn Sie wegen einer Beobachtung besorgt sind und darüber sprechen möchten und/oder mögliche nächste Schritte abklären möchten:

Telefon: 0 89 38 666 889 | E-Mail: mailhelp@power-child.de

 

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